Studien und Fachmeinungen zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillen

Aktuelle Studie belegt Risiko bei Wunsch-Kaiserschnitt | geburtskanal.de
Alarmierend erhöhtes Risiko für Herzstillstand, Thrombosen und schwere Infektionen
Frauen mit geringem Geburtsrisiko, die sich einer geplanten Kaiserschnitt-Operation ohne medizinische Begründung ("low risk" elective sectio cesarea) unterziehen, haben ein drei- bis fünfmal höheres Risiko für Herzstillstand, Thrombosen oder schwere Wundinfektionen, die zum Tode führen können, als Frauen, die ihr Kind auf vaginalem Weg gebären. Dies belegt eine aktuelle kanadische Studie. Einbezogen waren mehr als 2,4 Millionen Frauen und Geburten in ganz Kanada über einen Zeitraum von 14 Jahren.
Die Studie erschien notwendig, da immer mehr Frauen sich einen (medizinisch nicht begründeten) Kaiserschnitt wünschen, ohne sich über die tatsächlichen Risiken im Klaren zu sein. Bis heute gehen viele Frauen davon aus, dass es sich bei einem Kaiserschnitt lediglich um eine Operation mit sehr geringem medizinischen Risiko handele. Deshalb, so die Autoren der Studie, sei die Akzeptanz für den Wunsch-Kaiserschnitt hoch und viele Frauen hielten ihn für eine vernünftige Option. In Kanada hat sich - ähnlich wie in anderen Industrienationen - die Kaiserschnittrate in den letzten 30 Jahren etwa verfünffacht. Jedes 3. bis 4. Kind kommt heute auf diesem Weg zur Welt.
Fazit der Studie: Auch wenn das Risiko für die Gesundheit der Mutter bei einem Kaiserschnitt heute relativ niedrig ist, sollte im Hinblick auf das doch deutlich geringere Risiko einer vaginalen Geburt heute sehr genau hinterfragt werden, ob die Entscheidung für einen Wunschkaiserschnitt gerechtfertigt ist. Angesprochen sind in diesem Entscheidungsprozess nicht nur die schwangeren Frauen, sondern insbesondere auch die betreuenden Frauenärzte.
Quelle:
Studie: "Maternal mortality and severe morbidity associated with low-risk planned cesarean delivery versus planned vaginal delivery at term"
erschienen in "Canadian Medical Association Journal", 13. Februar 2007
http://www.cmaj.ca/
Artikel zur Studie "Is planned cesarean childbirth a save alternative?"
http://www.cmaj.ca/cgi/content/full/176/4/475
Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt
science.orf.at | New England Journal of Medicine
Mütter, die einmal ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht haben, sollten auch die folgenden Geburten per Kaiserschnitt ausführen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter 20.000 Müttern.
Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass sich Frauen mit vorherigem Kaiserschnitt bei einer späteren natürlichen Geburt einem deutlich erhöhten Risiko aussetzen, einen Riss der Gebärmutter zu erleiden.
Veröffentlicht wurde die Studie amerikanischer Mediziner in dem 'New England Journal of Medicine'
Ein Beobachtungszeitraum von 9 Jahren
Für die Studie waren nachträglich Geburten von 20.095 Müttern aus den Jahren 1987 bis 1996 im US-Bundesstaat Washington untersucht worden. Alle diese Mütter hatten zuvor ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. 6.980 dieser Kinder entbanden das folgende Kind erneut per Kaiserschnitt. Von den übrigen Müttern, die ihr Kind auf natürlichem Wege zur Welt brachten, kamen 10.789 ohne Hormone aus, den übrigen 2.326 wurden Hormone verabreicht.
Prostaglandin erhöht das Risiko zusätzlich
Ein Riss der Gebärmutter ist für Mutter und Baby lebensgefährlich. Das Risiko eines Gebärmutter-Risses ist der Studie zufolge besonders hoch, wenn der Mutter für die natürliche Geburt Hormone verabreicht werden, um die Wehen zu beschleunigen.
Neben dem erhöhten Risiko bei natürlicher Geburt nach vorheriger Geburt per Kaiserschnitt fanden die Mediziner heraus, dass dabei besonders das Hormon Prostaglandin das Risiko eines Risses der Gebärmutter erhöht. Dieses Hormon wird zum Auslösen der Wehen als Tablette, Zäpfchen oder Gel in die Scheide verabreicht.
Der Studie zufolge ist das Risiko eines Gebärmutter-Risses bei einer natürlichen Geburt mit Prostaglandin 15 Mal so hoch wie bei Müttern, die ihr Kind erneut per Kaiserschnitt zur Welt bringen. Bei anderen Hormonen ist das Risiko demnach fünf Mal so hoch.
Seit Mitte der achtziger Jahre wurden natürliche Geburten nach einer vorherigen Geburt per Kaiserschnitt wieder häufiger zugelassen, nachdem eine neue Technik des Kaiserschnitts entwickelt worden war: Statt vertikaler Schnitte in die Gebärmutter waren die Ärzte zunehmend zu tiefen horizontalen Schnitten übergegangen, die nach ihrer Meinung besser verheilten.
Weitere Gründe für einen Kaiserschnitt beim zweiten Mal
Dass eine Frau, die einmal ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht hat, auch die folgenden Geburten mit dem chirurgischen Eingriff ausführen lassen sollte, war lange Zeit die vorherrschende Lehre in der Medizin.
Das Gewebe um die Narbe galt als nicht resistent genug, um den Kontraktionen der Gebärmutter bei der späteren Geburt standhalten zu können.
Quelle:
New England Journal of Medicine
science.orf.at>